
Die Zahl der Magersüchtigen in Deutschland hat sich in den letzten zehn Jahren verdreifacht. Nach Schätzungen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA) sind mittlerweile 100.000 Menschen betroffen. Magersucht tritt vor allem in der Pubertät im Alter zwischen 14 und 18 Jahren auf, aber es sind auch Ersterkrankungen vor dem 10. und nach dem 25. Lebensjahr möglich.
Die Angst, dick zu sein
Menschen, die an Magersucht leiden, haben große Angst vor jedem Gramm Fett auf ihren Rippen. Sie leben in dem andauernden Bestreben ihr Gewicht zu reduzieren, wiegen sich ständig und essen nur sehr wenig. Die Folge ist meist deutliches Untergewicht. Doch die Betroffenen hungern weiter, auch wenn ihr Gesundheitszustand längst lebensbedrohlich geworden ist. Sie leiden an einer so genannten Körperschemastörung, das heißt sie nehmen ihren Körper nur noch verzerrt wahr und fühlen sich selbst in ihrem abgemagerten Körper noch zu dick.
Ein Teil der Betroffenen hält ausschließlich Diät, bei den anderen kommen unkontrollierbare Essattacken und selbst herbeigeführtes Erbrechen hinzu. Die Grenzen zwischen der Magersucht und Ess-Brech-Sucht sind oft fließend.
Hungern für mehr Selbstbewusstsein
Viele Anorektiker nehmen zudem Appetitzügler, oft große Mengen Abführmittel, sind ungewöhnlich aktiv und treiben intensiv Sport. In der Regel essen sie extrem langsam und bevorzugen kalorienarme Lebensmittel, auch Baby- oder Kindernahrung. Sie achten akribisch auf den Fettgehalt von Nahrungsmitteln. Ihre Gedanken kreisen den ganzen Tag um das Essen, es ist das beherrschende Thema in ihrem Leben. Für alles andere bleibt nur wenig Platz.
Magersüchtige isolieren sich immer mehr und ziehen sich in ihre „eigene Welt“ zurück. Sie sind stets bemüht, ihre Krankheit zu verbergen und nach außen hin normal und unauffällig zu wirken. Dabei sind Magersüchtige stolz darauf, sich unter Kontrolle zu haben. Die Kontrolle vermittelt ihnen das Gefühl, selbständig zu sein.
Psyche und Körper sind erkrankt
Mit der Zeit treten körperliche Folgeschäden auf: Stoffwechsel, Puls, Blutdruck und Körpertemperatur sinken ab. Das führt zu Müdigkeit, Frieren und Verstopfung. Trockene Haut und brüchige Haare zeigen die hormonellen Veränderungen an, wodurch auch die Menstruation ausbleibt und sich im Extremfall die Körperbehaarung verändert.
Magersüchtige können bis zu 50 Prozent ihres Ausgangsgewichts verlieren. Studien belegen, dass ein Drittel der Betroffenen nach einer Therapie ihr Normalgewicht wieder erreicht, bei ebenso vielen verläuft die Krankheit chronisch. Zehn bis 15 Prozent der Betroffenen stirbt an den Folgen der Anorexie.
Professionelle Hilfe erforderlich
Viele Betroffene verheimlichen ihr Problem jahrelang. Ein erster Schritt zur Behandlung ist daher das Eingeständnis, an einer Essstörung zu leiden und sie nicht länger zu leugnen. Aufgrund der gravierenden Folgeschäden ist eine medizinische Betreuung in jedem Fall notwendig. Die Familie sollte unbedingt darauf bestehen. Auch eine psychotherapeutische Behandlung und ggf. eine Familientherapie sind sinnvoll.
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Quelle:
AOK - Die Gesundheitskasse.

